Johannisberg

Aus RheingauerWein

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Johannisberg verdankt seine Entstehung und seinen guten Ruf als Weinbaugemeinde der Gründung eines Benediktinerklosters auf dem Bischofsberg im Jahre 1106 unter Erzbischof Ruthard von Mainz. Es war das erste und einzige Benediktinerkloster im Rheingau. Nachdem es ursprünglich dem hl. Nikolaus gewidmet war, wurde es 1130 anläßlich der Weihe der Basilika unter das Patrozinium Johannes des Täufers gestellt, der dann der Abtei wie auch dem berühmten, den ganzen Rheingau überschauenden Berg und der Ansiedlung den Namen gab. Die schon bald nach der Gründung innerhalb des Klosters eingerichtete Frauenklause für Benediktinerinnen wurde 1130 an den Fuß des Berges verlegt. Der gräflisch Schönbornsche Hof "Klaus" erinnert an diese Stätte, wie auch der Lagenname "Johannisberger Klaus". Vor dem ursprünglichen Frauenkloster, einem Stift der adligen Damen, existiert nur noch eine gotische Kapelle auf der Ostseite des Hofgutes. Sie war dem hl. Georg geweiht. Wegen schlechter Disziplin wurde das Benediktinerinnenkloster 1452 aufgehoben, und der Besitz fiel auf das Männerkloster auf dem Berg. Aber gut 100 Jahre später wurde auch dieses Kloster wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten und mangelhafter Disziplin vom Mainzer Erzbischof aufgelöst. Das Kloster mit seinem reichen Weinbergsbesitz stand dann unter weltlicher Verwaltung, bis es 1716 von der Fürstabtei Fulda gekauft wurde. Nach Abriß der Klostergebäude mit Ausnahme der Kirche und des heute fast 900 - jährigen Weinkellers (Bibliotheca subterranea) wurde nach Plänen des Bamberger Baumeisters Johann Dietzenhofer ein barockes Schloß erbaut. Der Schwerpunkt lag aber auf der Weinwirtschaft, und so wurde ein riesiger Keller von 250m Gesamtlänge an den alten Keller angebaut. Bei den Neuanpflanzungen der vernachlässigten Weinberge wurde ein Teil erstmals mit Rieslingreben bepflanzt (1720), womit eine neue Ära für den Rheingau und die Weißweine insgesamt eingeleitet wurde. So werden heute in einigen nicht europäischen Weinbaugebieten, wie z.B. Kalifornien, Rieslingweine mit "Riesling Johannisberg" bezeichnet. Hier wurde auch der Wert der Edelfäule und damit Weinprädikat "Spätlese" durch Zufall entdeckt.

Der Kurier, der alljährlich beim Fürstabt in Fulda die Leseerlaubnis einholen mußte, kehrte im Herbst 1775 mit größerer Verspätung nach Johannisberg zurück. Die Trauben waren schon geschrumpft und zum Teil in Fäulnis übergegangen. Nach einigem Zögern wurde die Lese trotzdem noch durchgeführt, und zum großen Erstaunen des Kellermeisters wurde daraus ein Wein von außergewöhnlich guter Qualität. Dem Spätlesereiter wurde 1960 im Gutshof ein Denkmal gesetzt. Nach der Säkularisierung 1802 kam das Schloß in weltliche Hände, wobei infolge der damaligen politischen Umbrüche die Besitzer mehrmals wechselten, bis schließlich Kaiser Franz I. von Österreich das Schloß erhielt. Er belohnte damit 1816 seinen Staatskanzler Clemens Wenzeslaus Fürst von Metternich-Winnenburg für seine für seine Dienste um den europäischen Frieden. Mit der Schenkung war die Auflage verbunden, den zehnten Teil der jährlichen Weinernte an das österreichische Kaiserhaus bzw. Seine Rechtsnachfolger zu zahlen, was auch heute noch geschieht, allerdings in Form von Geld. Unter dem neuen Besitzer wurden Schloß und Kirche klassizistisch von Georg Moller verändert und ein Schloßpark angelegt. Nach der Zerstörung von Schloß und Kirche im ". Weltkrieg wurde die Kirche, die auch immer die Pfarrkirche des Ortes war, nach dem Vorbild der ursprünglichen romanischen Pfeilerbasilika wieder aufgebaut. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden außerhalb des alten Ortskerns mehrere herausragende Gebäude. 1823 baute der Frankfurter Weinhändler und spätere Weingutsbesitzer Peter Arnold Mumm östlich des Oberdorfes eine Villa im klassizistischen Kolonialstil mit großem Park, der heute von einer Straße durchschnitten wird. Sein Nachfolger Jakob Mumm ließ nördlich des Ortes 1873 eine künstliche Ruine "Burg Schwarzenstein", ebenfalls mit Park, errichten, heute ein Hotel und Restaurant mit großartiger Aussicht. Das heutige, von weitem sichtbare "Schloß Hansenberg" mit den zwei charakteristischen Ecktürmen wurde um 1825 von Johannes de Laspèe, einem Pestalozzi- Schüler, als Waisenhaus erbaut. Nach häufigem Besitz- und Nutzungswechsel wurde es vom Land Hessen 1972 erworben. Z.Zt. ist es Sitz der Landesfeuerwehrschule. Zwischen den beiden alten Ortsteilen Grund und Berg (Oberdorf) wurde 1856 eine Wasserheilanstalt errichtet, sie einige Jahrzehnte florierte, dann aber nach Wiesbaden verlegt wurde. 1920 wurde die leerstehenden Gebäude von Benediktinerinnen erworben, die Erweiterungsbauten vornahmen und 1928 eine Kirche an das frühere Sanatorium anbauten. Nachdem die letzten Nonnen 1991 das Kloster verlassen hatten, sind nach einer großzügigen Renovierung durch das Bistum Limburg 1993 Steyler Missionsschwestern eingezogen. 1996 wurde übrigens ein modernes Pfarrzentrum für die katholische Gemeinde in der früheren "Unterkirche" hier im Kloster eingerichtet. Auch das industrielle Zeitalter hat in Johannisberg Spuren hinterlassen. 1846 gründeten Bernhard Klein und Johann Forst eine Druckmaschinenfabrik im Ortsteil Grund. Sie vergrößerte sich schnell und mußte Ende des 19. Jahrhundert mangels Ausdehnungsmöglichkeiten nach Geisenheim verlegt werden. Aus dieser Zeit existieren noch stattlich Villen und Bürgerhäuser der Firmeninhaber. Das 1516 erstmals erwähnte Rathaus in der alten Hauptstraße "Im Flecken" hat seit der Eingemeindung Johannisberg zu Geisenheim im Jahre 1972 seine ursprüngliche Funktion eingebüßt.

Einwohnerzahl: ca. 2.500

Quelle: Eltviller Gästeführer

Bild: Abteihof St. Nicolaus

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